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Fasten – die schnelle Nulldiät?

Aktualisiert: 4. Juli


Dünne Frau in weiter Hose

 Als ich vor 20 Jahres von meiner Mutter gefragt wurde, ob ich mit ihr in den Schwarzwald zu einer Fastenwoche fahre, war mein erster Gedanke: “Da bin ich dabei, ein paar Kilo weniger können nicht schaden!“. In meiner ersten Fastenwoche stand ich täglich vor dem Spiegel und war begeistert, wie der Bauch immer flacher und die Hosen immer weiter wurden.


Wenn ich heute faste, dann aus sehr vielen Gründen, aber es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass das Gewicht so gar keine Rolle spielt. Ich gehöre nicht zu den gertenschlanken Fastenleiterinnen, Unzufriedenheiten mit dem eigenen Körpergewicht sind mir alles andere als fremd.

 

Wenn ich faste, dann sind die Kommentare zum Gewicht auch immer die, die ich am häufigsten höre:

„Mein Gott, bist du schmal im Gesicht geworden, jetzt reicht es aber wirklich, fang wieder an zu essen!“

„Und, wie viel Gewicht hast du schon verloren?“

„Ich halte vom  Fasten gar nichts, damit kann man nicht nachhaltig abnehmen“

„Hör bloß auf, sonst nimmst du obenrum noch zu viel ab“ (ja, bekam ich von Männern öfter zu hören…)

 

Ja, es stimmt – wer fastet verliert Gewicht! Wäre auch ein Wunder wenn nicht. Ist Fasten also auch nur eine, wenn auch besonders extreme Diät?

 

Warum Fasten (k)eine Crash-Diät ist


Füße auf einer Waage. Um die Knöchel ist ein Maßband gewickelt

Ursprünglich stand das Wort Diät für "gesunde, vernünftige Lebensweise". Im engeren Sinne versteht man unter dem Begriff Diät eine spezielle, zielgerichtete Ernährungsform, um einen medizinischen Nutzen zu erzielen. Im Verständnis der meisten Menschen sind Diäten vor allem zeitlich begrenzte Programme zur Gewichtsreduktion.

Sieht man sich Diätbegriff im engeren Sinn an, dann ist das Fasten eine sehr strenge Form der Diät, aber als klassische „Crash-Diät“ a la Frauenmagazintitel würde ich es nicht bezeichnen. Das reduziert aus meiner Sicht das Fasten nämlich sträflich.

 

Diäten haben einen schlechten Ruf – sie sollen den sog. Jojo-Effekt begünstigen und langfristig keine Gewichtsveränderung ermöglichen. Am schnellsten Abnehmen kann man mit der Nulldiät. Die ist gleichzusetzen mit dem sogenannten Wasserfasten. Man nimmt nichts zu sich außer Wasser und ungesüßten Kräutertee. Eine sehr harte Art des Fastens, die ich nicht empfehlen kann. Der Körper gerät beim Wasserfasten leicht in die Übersäurung, es droht eine Fastenazidiose, die zu erheblichen körperlichen Beschwerden führen kann.


Beim Buchingerfasten werden dem Körper basische Lebensmittel zugeführt (Gemüsebrühe, Obst-Gemüse-Saft), um so der Übersäuerung vorzubeugen. Auch die Gabe von bis zu zwei Tl Honig täglich erleichtert das Fasten. Dennoch ist das Fasten zunächst Stress für den Körper, denn es dauert 1-2 Tage, bis dieser auf die Ernährung von Innen umgestellt hat.


Beim Fasten verliert man Gewicht, natürlich, man nimmt ja pro Tag maximal 250-400 kcal zu sich. So ungefähr 100 g bis 150 g reines Körperfett verliert man pro Tag, insgesamt jedoch mehr Gewicht durch den Verlust von Wasser (je nach Ausgangsgewicht und Konstitution). Der Gewichtsverlust bringt - gerade für Menschen mit etwas zu viel Gewicht - erhebliche gesundheitliche Vorteile mit sich. Der Blutdruck sinkt, die Gelenke werden entlastet, die Insulinsensitivität nimmt zu.

Natürlich wird man nach dem Fasten erst einmal zunehmen, denn der Körper lagert wieder Wasser ein und auch der Darminhalt hat Gewicht. Jedoch berichten viele Fastende, dass sie ihr Gewicht nach dem Fasten gehalten haben oder weiter reduzieren konnten.


Fasten als Neustart


Das Fasten ist zunächst mal ein Innehalten. Alles darf zu Ruhe kommen. Der Alltag, aber vor allem der Darm, die dadurch die Chance erhält sich zu regenerieren, zu erneuern und Entzündungszustände zu beseitigen. Das Darmmikrobiom ist sehr komplex und noch nicht gänzlich erforscht, ebenso wie die detaillierten Auswirkungen des Fastens auf das Darmmikrobiom


"Es gibt noch entscheidende Wissenslücken bezüglich des Wiederaufbaus des Mikrobioms und der Darmschleimhautwände nach unterschiedlichen Mustern der Nahrungswiedereinführung sowie der Rolle der Gesamtkalorienmenge und bestimmten Makronährstoffen bei diesem Prozess."


Festzuhalten ist aber, dass das Fasten neben den gesundheitlichen Vorteilen (Zellreinigung durch Autophagie, Blutdrucksenkung, Entlastung des Verdauungssystems) bei guter Anleitung zum Überdenken des eigenen Lebensstils führen kann:


  • Wo kann die Ernährung verbessert werden?

  • Kann mehr Bewegung in den Alltag eingebaut werden?

  • Wie ist der Umgang mit Stress? Welche Strategien zur Bewältigung gibt es?

  • Wo kann im Alltag mehr Achtsamkeit praktizieren werden?

  • Welche Routinen aus der Fastenzeit können mitgenommen werden?


Wenn es gelingt, den Nahrungseinstieg nach dem Fasten achtsam und kontrolliert zu gestalten und die Anregungen aus der Fastenzeit (gut kauen, viel Gemüse, komplexe Kohlenhydrate, Nahrungskarenzen, Bewegung, Stressreduktion) umzusetzen, kann das Gewicht gehalten und weiter verringert werden. Vor allem kann durch einen neuen Lebensstil Lebensqualität und Gesundheit gewonnen werden.


Lieber gesund als dünn!


Ich faste seit knapp 20 Jahren mehrmals im Jahr. Aber ich genieße auch gern! Und ich bin weit weg davon klassisch dünn zu sein. Ich habe viele Jahre gebraucht, bis ich erkannt habe, dass ich auch nicht so aussehen muss, wie Werbung und Social Media es suggerieren. Und dass mir vor allem wichtig ist, gesund und fit zu sein. Das impliziert natürlich, dass ich mein Gewicht in einem gesunden Rahmen halte. Das mein Körper mit nun 50 Jahren nicht mehr so aussieht wie mit 20 ist klar, aber das ist auch gar nicht das Ziel.


Noch immer liebe ich Schokolade und esse sie auch! Aber inzwischen achte ich darauf, gut zu kauen, immer öfter Vollkornprodukte zu bevorzugen und ernähre mich vegetarisch (das ist mein persönlicher Weg und natürlich ist auch eine Ernährung mit moderatem Fleischkonsum gesund!). Ich mache regelmäßig Sport, beschäftige mich mit Achtsamkeit und Meditation und vor allem, genieße ich das Leben. Meinen BMI kenne ich nicht, davon halte ich wenig. Mein Bauchumfang ist etwas über dem für Frauen empfohlenen Wert von von 80 (Männer 94), aber mein Blutdruck liegt im Normalbereich und ich fühle mich fit und leistungsfähig.


Frau meditiert am See bei Sonnenuntergang

Wenn ich mal wieder längere Zeit über die Stränge geschlagen habe und der Stress zugenommen hat, dann tut mir das Fasten gut! Klar gefalle ich mir mit ein paar Kilo weniger besser, aber die Hauptmotivation beim Fasten liegt bei mir inzwischen darin, einen Cut zu machen. Anzuhalten, mir bewusst werden, was gerade in meinem Leben passiert, zu reflektieren, Zeit für mich nehmen, leichter werden - auf allen Ebenen.


Es ist in Ordnung zu fasten, weil man Gewicht verlieren will. Wer sich auf das Abenteuer einlässt erhält allerdings so viel mehr als das. Macht euch auf die Reise und entdeckt, was das Fasten für euch sein kann!






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