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Neues aus der Fasten Forschung

Aktualisiert: 4. Juli

Meine Erkenntnisse vom 58. Fortbildungstag der ÄGHE


Flyer der Tagung

Die Ärztegesellschaft für Heilfasten und Ernährung hat sich unter anderem zum Ziel gesetzt, die wissenschaftlichen Grundlagen des Heilfasten zu erforschen und Institutionen zu vernetzen, die sich mit dem Fasten beschäftigen. Sie ist eng mit der Deutschen Fastenakademie verbunden, bei der ich meine Ausbildung absolviert habe.

Am 29. Juni 2024 fand nun die 58. Fortbildungstagung im KfN, dem Krankenhaus für Naturheilweisen in München Harlaching statt. Neben den Updates aus der Fastenforschung konnte ich mich dort auch mit anderen Fastenleiter*innen austauschen und mit Fastenexperten ins Gespräch kommen.

Für Euch habe ich drei für mich wichtige Vorträge zusammengefasst:


Silent Inflammations ( Dr. Flavia Guri, Oberärtzin am KfN München)


Silent Inflammations sind lansamge, oft unbemerkte Entzündungsprozess im Körper, die erstmal keine keine Schmerzen verursachen. Sie können Folgeerkrankungen wie Allergien, Autoimmunerkrankungen, rheumatische und kardiovaskuläre Erkrankungen, neurodegenerative Erkranungen oder auch Tumorerkrankungen nach sich ziehen. Neben einer genetischen Disposition können auch Allergien, Schlafstörungen, Stess, Infektionen und vor allem die Ernährung diese verborgenen Entzündungen auslösen. Symptome können Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Muskel-/Gelenkschmerzen, Verdauungsstörungen und/oder Hautprobleme sein.


gesunde Lebensmittel

Der Ernährung spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung von Silent Inflammation:

  • Kohlenhydrate: Sie sind nicht per se schlecht! Die Qualität ist dabei wichtiger als die Menge.

    • proentzündlich: hochglykämische Getreide und Zucker

    • antientzündlich: nicht-stärkehaltiges Gemüse, ganze Früchte, Hülsenfrücht, Vollkorngetreide

  • Fette: gute Fette bevorzugen! Verhältnis von Omega 6 : Omega 3 = 1:1 bis 4:1 (Realität oft 15:1)

    • Omega 3 Fettsäuren (Lachs, Makrele, Leinsamen, Chiasamen, Walnüsse)

    • Einfach ungesättigte Fettsäuren (Avocado, Olivenöl, Nüsse)

  • Proteine: Übermäßige Aufnahme von tierischem Protein kann Entzündungen hervorrufen (Empfehlung max 7g/Tag), pflanzliche Proteine (Hülsenfrüchte, Nüsse, Samen) wirken entzündungshemmend und sollten den Großteil ausmachen

  • Polyphenole (Beeren, Traumen, Kakao, grüner Tee) haben antibakterielle Wirkung und wirken enzündungshemmend

  • Fasten reduziert Entzündungen nachweislich


Ergänzende Maßnahmen zur Reduktion von Silent Inflammation:

  • regelmäßige Bewegung

  • Stressmanagement

  • ausreichend Schlaf



Was kann und soll Ernährungsmedizin in der Praxis leisten?

(Prof. Dr. Hauner, Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München)


Prof. Dr. Hauner erläuterte zunächst seine Bedenken zu den neuen Gesundheitsempfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, bei denen er beratend mitgewirkt hat. Bei ihrer Erstellung fanden nun auch Nachhaltigkeitsaspekte Eingang. Das führte dazu, dass sich die Empfehlungen weit von der Essens-Wirklichkeit der Bevölkerung entfernt haben. So wird z. B. nur noch der Verzehr von 300 g Fleisch und Wurstwaren pro Woche empfohlen, der aktuelle Verzehr liegt jedoch bei ca. 1einem Kilogramm. Außerdem wird empfohlen nur ein Ei pro Woche zu essen und auf Süßigkeiten oder fette Knabbereien zu verzichten.


Bedeutung der Ernährung für die Gesundheit:

  • Ernährung ist der stärkste Einflussfaktor für unsere Gesundheit

  • 30 % aller Ausgaben im Gesundheitssystem können auf ungünstige Ernährung zurük geführt werden.

  • Ernährung kann unser Leben um ca. 10 Jahre verkürzen oder verlängern

  • Im höheren Alter ist Ernährung die wichtigste Komponente für "gesundes Altern"

  • Ernährung bestimmt in hohem Maß unsere Lebensqualität


18,5 % der Todesfälle in Deutschland lassen sich auf schlechte Ernährung zurückführen. Während wir in jungen Jahren eine schlechte Ernährung noch gut kompensieren können, führt sie mit zunehmenden Alter zu vermehrter Krankheit, längeren Krankheitsphase und einem verkürzten Leben.

Setzen einer Spritze in den Bauch

Erschreckend fand ich Prof. Dr. Hauners Ausführungen zur Ernährungstherapie in stationären Einrichtungen, denn diese sind gelinde gesagt mangelhaft. Bei den Kostenträgern und Gesundheitsberufen fehlen Wahrnehmung, Expertise und Ressourcen, um eine leitliniengerechte Ernährungstherapie anzubieten, es gibt sie nur in wenigen deutschen Kliniken, trotz nachgewiesener Wirksamkeit und Kosteneffektivität. Im ambulanten Sektor finden Ernährungstherapie so gut wie nicht statt, Ernährungsberatungen sind keine Kassenleistungen. Stattdessen erfolgt vielfach eine Übertheraie mit Medikamenten.


Fazit: Trotz des hohen präventiven Potentials einer gesunden Ernährung bei allen Zivilisationskrankheiten werden ernährungsmedizinische Behandlungsmöglichkeiten im

deutschen Gesundheitssystem sträflich vernachlässigt. Es muss sich also jeder eigenständig informieren und dann vor allem auch motivieren. Das hat mich schon zum Nachdenken gebracht...


Zusammenhang zwischen Ernährung-Darm-Hüfte-Wirbelsäulenproblemen

(Dr. Claas Hohmann, Buff Medical Resort Konstanz)


Physiotherapeut drückt in den Rücken

Einer der spannensten Vorträge für mich kam vom Orthopäden Dr. Hohmann, der über den Zusammenhang von Kreuzschmerzen mit der Ernährung und dem Darm berichtete.

Das Problem ist eine unvollständige Verdauung. Diese führt zum Übergang unverdauter Eiweiße und Kohlenhydrate in den Dickdarm. Hier können sich durch Verschiebungen im Mikrobiom toxische Metabolite (Substanzen, die als Zwischenstufen oder als Abbauprodukte von Stoffwechselvorgängen entstehen) bilden, die eine silent intoxication, eine Lähmung der Darmmuskulatur und einer Verringerung der viszeralen Spannung auslösen können, Die führt zu mechanischen Irritationen der benachbarten Strukturen wie Muskeln und Bindegewebe und somit zu Störungen im Bereich der Lendenwirbelsäule, des Beckens und der Hüfte.

Beheben lässt sich dies durch eine Darmreinigung, z. B. durch Fasten und im Anschluss durch Reduktion der Nahrungsmenge, konzentriertes und ablenkungsfreies Essen, Verzicht auf spät-abendliche Mahlzeiten und vor allem durch sehr gute mechanische und chemische Vorverdauung durch intensives Kauen.


Für mich war das in der Tat ein Augenöffner. Auch ich kaue nicht gut, hätte aber nie gedacht, was für Auswirkungen das nach sich ziehen kann. Ab jetzt wird wieder bewusst und ausgiebig gekaut! Die Verdauung beginnt eben bereits im Mund und was hier vernachlässigt wird, zieht sich negativ durch den gesamten Verdauungsapparat. Der Weg der Nährstoffe vom Teller bis zur Zelle ist weit, aber wir können mit gutem Kauen einen entscheidenden Einfluss nehmen.


Gesamtfazit:

Auch wenn der Tag bei 33 Grad in einem unklimatisierten Hörsaal ohne Frischluft fordernd war, konnte ich viele Anregungen und Neues aus der Fasten Forschung mit nach Hause nehmen. Auch der Ausstausch mit den anderen Fastenleiter*innen und Teilneher*innen war gewinnbringend und wird auch noch fortgesetzt. Das Fasten und der Zusammenhang von Ernährung und Gesundheit werden weiter erforscht und das jährliche Update ist für mich ein Muss.

Ich freue mich schon jetzt auf den 21. Internationalen Fastenkongress in Berlin im Juli 2025! Davon werde ich natürlich auch berichten und bis dahin gut Kauen nicht vergessen ;-)




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